Eingeladen hatte der BPW Austria Club Vorarlberg, ein regionaler Ableger des internationalen Berufsnetzwerks Business & Professional Women, das berufstätige Frauen branchenübergreifend vernetzt und fördert. Entsprechend vielfältig zusammengesetzt war die Gruppe der Teilnehmerinnen, die sich am 25. Februar 2026 abends in Frastanz, Österreich, einfand: Unternehmerinnen, Führungskräfte und Fachfrauen aus unterschiedlichsten Branchen nutzten den Anlass, um Kontakte zu knüpfen, Einblicke in die Industrie zu gewinnen und sich über Karrierewege auszutauschen.
Begrüsst wurde die Gruppe von Christine Schwarz-Fuchs, ehemalige BPW-Vorarlberg- Präsidentin, die den regionalen Club kurz vorstellte und in den Abend einführte. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich moderne Papier- und Verpackungsproduktion, Kreislaufwirtschaft, Energieprojekte und Gleichstellung in einem regional verwurzelten Familienunternehmen verbinden lassen. Rondo bot dafür einen passenden Rahmen mit einer Geschäftsleiterin mit Vorbildcharakter und einer Produktion, die selten so offen präsentiert wird.
Geschäftsleiterin mit wirtschaftlichem Blick
Im Anschluss an die Begrüssung übernahm Sigrid Rauscher das Wort. Sie ist seit über 15 Jahren in der Unternehmensgruppe tätig und seit fast 10 Jahren Geschäftsleiterin der Rondo-Papierfabrik, deren Geschichte über 100 Jahre zurückreicht und deren Wurzeln in der Textilindustrie des 18. Jahrhunderts liegen. Zunächst baute die studierte Betriebswirtin das gruppenweite Marketing und die Unternehmenskommunikation auf, später verantwortete sie den Papierverkauf sowie den zentralen Papiereinkauf für die Wellpappewerke. Seit 2017 leitet sie die Papierfabrik und trägt die Verantwortung für die kaufmännischen und technischen Agenden dieses Geschäftsbereiches.
Ihr Werdegang steht exemplarisch für mögliche Karrierepfade in der Verpackungsindustrie: Er zeigt, dass sich Laufbahnen aus Marketingund Vertriebsfunktionen bis in die Geschäftsleitung entwickeln können und dass Unternehmen profitieren, wenn sie solche Entwicklungsschritte ermöglichen. Rauscher fasste ihre Motivation zusammen: «Ich bin gerne hier, weil ich den wirtschaftlichen Aspekt liebe.»
Kreislaufwirtschaft in der Praxis
Im Zentrum ihres Vortrags stand die Kreislaufwirtschaft. In Frastanz betreibt die Rondo Ganahl AG neben dem Wellpappe- und Fasergusswerk eine Papierfabrik übrigens die einzige in Vorarlberg die aus 100 Prozent Altpapier Rohpapiere herstellt. Das Material stammt aus verschiedenen Sammel- und Aufbereitungsprozessen, wird im Werk in zwei getrennten Pulpersystemen für braune und weisse Qualitäten aufbereitet und anschliessend auf der Papiermaschine zu neuen Rohpapieren geformt. Diese werden entweder an Kunden geliefert oder innerhalb der Unternehmensgruppe zu Wellpappe und Verpackungen weiterverarbeitet.
Rauscher erläuterte, wie der Stoffkreislauf innerhalb der Gruppe weitgehend geschlossen werden kann von der Altpapierannahme durch das Tochterunternehmen über die Papierproduktion bis zur Weiterverarbeitung in den eigenen Wellpappe- und Fasergusswerken. Gleichzeitig sprach sie aktuelle Herausforderungen bemerkenswert offen an, insbesondere im Bereich der Energieversorgung. Geplant ist der Bau eines eigenen Reststoffkraftwerks, in dem nicht mehr verwertbare Papierfasern und Produktionsreste energetisch genutzt werden sollen. Trotz der ökologischen Ambitionen stösst das Projekt derzeit auf Widerstand. Rauscher betonte jedoch, dass das Unternehmen weiterhin an der Umsetzung arbeite und den Dialog mit der Bevölkerung suche, um Vertrauen aufzubauen und eine tragfähige Lösung zu finden.
Hinter den Kulissen von Papier, Wellpappe und Faserguss
Beim anschliessenden Rundgang durch die Papierproduktion konnten die BPWTeilnehmerinnen den Weg vom Altpapierballen bis zur fertigen Papierrolle aus nächster Nähe verfolgen. In Frastanz wird im Fünf-Schicht-Betrieb rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche Papier hergestellt, wie Betriebsleiter Thomas Ogermann erläuterte. Die Dimensionen beeindruckten: grosse, mehrere Tonnen schwere Papierrollen, hochautomatisierte Anlagen und ein Zusammenspiel aus Technik und Handarbeit.
Im zweiten Teil des Rundganges führte Peter Moosbrugger, Betriebsleiter des Rondo-Wellpappewerkes in Frastanz, durch diesen Produktionsbereich. Hier wird im Vier-Schicht-Betrieb an sechs Tagen pro Woche gearbeitet: Teile der eigenen Papiere werden zu Wellpappenbahnen verarbeitet und anschliessend zu kundenspezifischen Verpackungslösungen gestanzt. Das Spektrum reicht von klassischen Stanzkartons über Obst-, Gemüse- und Weinverpackungen bis hin zu Gefahrgutverpackungen.
In der Weiterverarbeitung kommen je nach Anwendung unterschiedliche Druckverfahren zum Einsatz. Flexo-, Offset- und Digitaldruck ermöglichen hochwertige und individuelle Verpackungsgestaltungen. Die Vielzahl an Stanzwerkzeugen und Flexodruckplatten verdeutlichte die grosse Bandbreite realisierter Kundenprojekte.
Standortlogik und neue Lösungen
Ein weiterer Aspekt, der an diesem Abend deutlich wurde, ist die Standortstrategie des Unternehmens: Werke werden gezielt in Kundennähe errichtet. Wellpappe ist leicht, enthält jedoch viel Luft und ist daher sehr voluminös. Lange Transportwege für fertige Verpackungen wären wirtschaftlich und ökologisch wenig sinnvoll. Deshalb befinden sich die Produktionsstandorte möglichst nahe bei den Unternehmen, die die Verpackungen einsetzen.
Als weiteres Zukunftsfeld stellte Rauscher den Fasergussbereich vor. Dort entwickelt Rondo seit 2019 faserbasierte Formteile für Anwendungen von Konsumgütern bis hin zu technischen Produkten. Die papierbasierten Monomaterial- Lösungen bieten eine Alternative zu Kunststoff- oder Holzverpackungen und sind ein wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens.
Mitarbeitende, Ausbildung und Fachkräftesicherung
Auch die Bedeutung der Mitarbeitenden für den unternehmerischen Erfolg wurde deutlich. Viele Beschäftigte stammen aus Familien, in denen bereits frühere Generationen bei Rondo tätig waren ein Hinweis darauf, wie stark das Unternehmen regional verankert ist. Wenn Eltern oder Grosseltern ihren Kindern und Enkeln eine Ausbildung oder berufliche Laufbahn im Unternehmen empfehlen, spricht das für Vertrauen und langfristige Bindung.
Derzeit bietet Rondo in Frastanz rund 25 Auszubildenden in neun verschiedenen Lehrberufen eine Perspektive – von technischen Profilen über Logistik bis zu kaufmännischen Berufen. Insgesamt arbeiten an diesem Standort über 400 Mitarbeitende in Schichtmodellen nahezu das ganze Jahr über. Die Produktion ist weiterhin überwiegend männlich geprägt, doch bereits heute arbeiten Frauen in der Fertigung, und das Unternehmen zeigt sich offen für eine stärkere Durchmischung, sofern Interesse und Qualifikation vorhanden sind.
Ein Abend, der nachhallt
Nach dem Rundgang kehrte die Gruppe zum Konferenzraum zurück mit vielen neuen Eindrücken rund um Nachhaltigkeit, Energie, Ressourcen und die Technik hinter alltäglichen Verpackungen. Bei Häppchen und Getränken bot sich Gelegenheit für Fragen, vertiefende Gespräche und intensives Networking über Branchen- und Landesgrenzen hinweg.
BPW-Vorarlberg-Präsidentin Ursula Hillbrand bedankte sich bei Rondo und den Mitarbeitenden sowie bei den zahlreichen Gästen, darunter auch Besucherinnen aus dem benachbarten Ausland, und gab einen Ausblick auf kommende Aktivitäten. Der Abend zeigte, wie viel Innovationskraft und Verantwortungsbewusstsein in einem regional verwurzelten Familienunternehmen stecken und wie Netzwerke dazu beitragen können, solche Einblicke sichtbar und erlebbar zu machen.
Ursula Hillbrand, Präsidentin BPW Club Vorarlberg
«Dieser Besuch bei der Rondo Ganahl AG war in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn: Wir erhielten einen seltenen Blick hinter die Kulissen einer hochkomplexen Papier- und Verpackungsproduktion und konnten erleben, wie konsequent hier Kreislaufwirtschaft sowie Energie- und Ressourcenthemen gedacht werden. Besonders beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich Female Leadership in diesem Umfeld gelebt wird und wie offen über Herausforderungen gesprochen wurde von der Energieversorgung bis zum Fachkräftemangel. Gleichzeitig zeigte der Abend, wie wertvoll Netzwerke wie BPW sind: Frauen aus unterschiedlichen Branchen kommen zusammen, stellen Fragen, knüpfen Kontakte und nehmen Inspiration für ihren Berufsalltag mit.»