Wenn Herbert Hahnenkamp, General Manager DACH bei Sacmi Packaging & Chocolate, über seine Arbeit spricht, wird schnell klar, wie sehr ihn die Verbindung aus Technologie, Kundenkontakt und strategischer Entwicklung begeistert. Er agiert mit einer ruhigen Gelassenheit, die nicht auf Distanz beruht, sondern auf Souveränität – und auf einem tiefen Verständnis dafür, wie Innovation entsteht: durch Nähe zum Markt, durch Offenheit und durch ein Umfeld, das Freiraum lässt.
Sein Blick auf Sacmi ist geprägt von einem klaren Selbstverständnis. Für ihn ist das Unternehmen ein Ort, an dem Menschen mit Unternehmergeist Verantwortung übernehmen und technische Entwicklungen mitdenken, statt sie bloss auszuführen. Diese Haltung prägt auch den Standort Neuhausen am Rheinfall. Das junge Entwicklungszentrum hat sich in erstaunlich kurzer Zeit etabliert und zeigt, wie viel Dynamik entsteht, wenn Fachwissen, Neugier und Eigeninitiative zusammenkommen.
Der Standort steht heute nicht nur für solide Maschinenentwicklung, sondern auch für mutige Schritte in Richtung neuer Materialien, nachhaltiger Verpackungskonzepte und partnerschaftlicher Kundenprojekte. Das Gespräch mit Hahnenkamp eröffnet einen Einblick in die Faktoren, die zu diesem Erfolg beigetragen haben – von der genossenschaftlichen Unternehmensform über die kulturelle Haltung bis zur technischen Innovationsstärke.
Standort Schweiz und Rolle in der Gruppe
Verpackungs-Industrie: Herr Hahnenkamp, Sacmi Packaging & Chocolate ist seit etwa sechs Jahren in Neuhausen am Rheinfall präsent. Wie hat sich der Standort seither entwickelt?
Herbert Hahnenkamp: Wir haben in Neuhausen eine Erfolgsgeschichte geschrieben und nehmen heute eine wichtige Rolle innerhalb der Sacmi- Gruppe ein. Das Team ist hoch motiviert und wird kontinuierlich um ausgezeichnete neue Mitarbeitende erweitert. Wir bleiben auf Wachstumskurs.
Welche Bedeutung hat Neuhausen innerhalb der Sacmi-Gruppe?
Unser Schweizer Standort verantwortet zum einen Vertrieb und Service in der DACH-Region. Dazu kommt die Entwicklung von Maschinen und Modulen auf Weltklasse-Niveau, bevor die Serien-Produktion in Italien erfolgt. Die Schweiz gilt als Markt mit einem besonders ausgeprägten Qualitätsbewusstsein. Ich gehe sogar so weit, zu sagen: Der Schweizer Qualitätsanspruch ist einzigartig. Diese Erwartungshaltung wirkt sich förderlich auf die Entwicklungsarbeit aus – sie setzt klare Massstäbe, die Sacmi nicht nur erfüllt, sondern aktiv als Orientierung nutzt.
Was sprach für Neuhausen als Entwicklungsstandort?
2018 ergab sich die Möglichkeit, ein ganzes Team von Entwicklungsingenieuren zu übernehmen. Wir sind also dahin gegangen, wo das Know-how verfügbar war. Natürlich begünstigt der Standort in der Schweiz auch den Erfolg bei der hiesigen Lebensmittelindustrie.
Sacmi hat sich sehr schnell bei allen grossen Schweizer Schokoladenherstellern etabliert. Woran liegt das?
Neben einem ausgewogenen Preis-Leistungs- Verhältnis punkten wir mit grosser Flexibilität im Maschinendesign. Dazu kommt die Genialität unserer Entwicklungsingenieure! (lacht) Das heisst, wir machen für unsere Kunden vieles möglich.
Erfolg im Markt durch technische Kompetenz
Welche Projekte prägen den Standort besonders?
Die Schlauchbeutelmaschine JT Advance ist ein entwicklungstechnisches Highlight und zudem ein Verkaufsschlager. Ihre Weiterentwicklung wird uns weiter beschäftigen. Wir haben in Neuhausen viel Fachwissen rund um das Thema Flowpack und die Formatentwicklung hinsichtlich alternativer Materialien wie Papier.
Wie entfaltet sich Innovationskraft an einem kleinen Standort wie Neuhausen?
Durch kontinuierliche Kundenbesuche, Marktanalysen und Weiterbildungen. Eine Atmosphäre geprägt von Respekt, Vertrauen und Eigenverantwortung stärkt Motivation und Loyalität unserer Mitarbeitenden.
Welche Schwerpunkte setzt Ihr Entwicklungsteam derzeit?
Derzeit liegt ein Fokus auf der Entwicklung bestimmter Module zur Automatisierung und Effizienzsteigerung sowie auf dem Einsatz von Linearmotoren und Robotik. Grundsätzlich erweitern wir unser Produktportfolio im mittleren Leistungsbereich.
Welche Rolle spielen Industrie 4.0 und neue Materialien?
Ein Gebot der Stunde ist der automatische Format- oder Produktwechsel mit Auftragsdaten aus dem Kundennetzwerk. Materialseitig gilt, dass die Fähigkeit, Papierfolien zu verarbeiten, inzwischen immer verlangt wird.
Innovationen entstehen im Austausch mit Anwendern
Welche Trends prägen die Nachfrage aktuell?
Ein Megatrend ist der Einsatz gut recycelbarer Verpackungsmaterialien. Dazu kommt der Wunsch nach werkzeuglosen Formatwechseln und einfacher Bedienbarkeit. Zudem werden Maschinenanbieter mit schnellen Reaktionszeiten und hoher Kundendienstqualität gesucht.
Wie entwickelt sich die Nachfrage nach papierbasierten Folien?
Die Nachfrage ist gewaltig. Wir bekommen ständig neue Anfragen. Technisch herausfordernd ist die Verarbeitung heisssiegelfähiger Papierfolien – dazu führen wir aktuell intensive Produkttests durch.
Regulatorik und Zukunft der Verpackung Wie wirkt sich die PPWR auf Ihre Kunden aus?
Bald werden nur noch Materialien verwendet werden dürfen, die einem Recyclingkreislauf zugeführt werden können. Wir stellen sicher, dass die umweltfreundlichen Folien auf allen unseren Anlagen effizient verarbeitet werden können.
Welche Herausforderungen bringt die PPWR für Sacmi selbst mit sich?
Die Challenge ist, als Maschinenhersteller sehr schnell auf die Entwicklung neuer Materialien reagieren zu müssen. Kunden erwarten flexible Testmöglichkeiten auf unseren Anlagen.
Welche Technologien werden den Verpackungsmaschinenbau prägen?
Grosses Potenzial sehe ich im Bereich Heisssiegelung von Monomaterialien. Dazu kommt der zunehmende Einsatz von Robotik in der Automatisierung von Linienlösungen.
Unternehmenskultur prägt auch technische Erfolge
Was bedeutet es konkret für Führung und Strategie, dass Sacmi eine Genossenschaft ist?
Sacmi ist nicht kurzfristig profitorientiert, wir verfolgen langfristige Ziele. Dazu gehört, dass das Unternehmen in einem noch besseren Zustand an die nächste Generation übergeben werden soll. Darum investieren wir kontinuierlich in Forschung und Entwicklung und setzen maximal auf Qualität und Service. Respekt und Vertrauen sind unser höchstes Gut.
Spürt man diese Haltung auch in Neuhausen?
Natürlich. Das leben wir täglich.
Wie entsteht dieses besondere Arbeitsklima, das Sie erwähnen?
Respekt, Vertrauen, Eigenverantwortung und ständige Weiterbildung vermitteln Sicherheit. Und Sicherheit fördert Kreativität.
Wirkt diese Haltung auch nach aussen, z. B.in Strategieentwicklung von Sacmi?
Unsere Mission ist die permanente gemeinsame Entwicklung mit unseren Kunden, wir wollen gemeinsam wachsen. Nur wenn wir am Puls sind, können wir langfristig erfolgreich sein. Die Leichtigkeit ist da, und sie hat sicher auch etwas mit unserem kommerziellen Erfolg zu tun.
Wandel und Generationen
Wo liegen die Vorteile des genossenschaftlichen Modells im heutigen Wandel?
Es macht es einfacher, junge Leute für das Unternehmen zu gewinnen. Und wir sind flexibel genug, älteren Mitarbeitenden Modelle anzubieten, die ihren Wünschen entsprechen – etwa im Trainingsbereich.
Können Sie die medial oft diskutierten Vorurteile über die «junge Generation» bestätigen?
Wir müssen uns an flexible Arbeitsmodelle anpassen. Respekt, Vertrauen und Eigenverantwortung sind die Basis dafür, dass Mitarbeiter ihren Job lieben. Und dann ist so viel mehr möglich!
Was können andere Unternehmen von Sacmi lernen?
Werte bestimmen – und danach leben. Oder anders ausgedrückt: Mit Authentizität und Integrität überzeugen.
Fachkonferenz zur Zukunft papierbasierter Verpackungen
Im Rahmen der Pro Sweets Cologne 2026 organisieren Delfort, Formerfab, Interzero und Sacmi Packaging & Chocolate die gemeinsame Fachkonferenz «Papier revolutioniert die Verpackung ». Wer sich für Materialinnovationen, papierbasierte Barrierefolien, Formschultern und recyclingorientiertes Design interessiert, sollte sich diesen Termin in den Kalender eintragen: Pro Sweets Cologne, Kölnmesse, 2. Februar 2026, 10–12 Uhr und 15–17 Uhr, Workshop-Fläche, Halle 10.1, Stand E51. Die Teilnahme ist kostenlos; Anmeldung über die Website der Pro Sweets Cologne. Daneben kann man Sacmi auch an der Interpack in Düsseldorf treffen: 7.–13. Mai 2026: Halle 4–E05/F05/F06.