Die Joint Industry Group for Packaging Safety (SVI-JIG) des Schweizerischen Verpackungsinstituts SVI hat am 23. September 2026 im Hotel Olten ihre Arbeit für die kommende Phase aufgenommen. An der Vollversammlung und dem anschliessenden Kick-off-Meeting beteiligten sich 17 Personen, darunter eine online zugeschaltete Fachperson. Vertreten waren Verbände der Lebensmittelindustrie und der Verpackungswirtschaft, Medien, Maschinenbau, Prüfinstitutionen, öffentliche Stellen sowie Beratende. Damit brachte das Treffen Perspektiven aus wesentlichen Teilen der Wertschöpfungskette zusammen.
Von der Druckfarben-Guideline zu neuen Regulierungsthemen
SVI-Präsident Tobias Leischner eröffnete die Veranstaltung mit einem Rückblick auf die bisherige Arbeit der SVI-JIG. Im Zentrum stand dabei die im Vorjahr erarbeitete und veröffentlichte SVI-Guideline zur Auslegung der Schweizer Vorgaben für Druckfarben. Der rechtlich unverbindliche Leitfaden soll Unternehmen dabei unterstützen, Informationen für Konformitätserklärungen (Declaration of Compliance, DoC) entlang der Lieferkette harmonisiert auszutauschen und die Anforderungen an Druckfarben für Lebensmittelverpackungen praxisnah umzusetzen. «Die Arbeit an der Guideline hat gezeigt, dass gemeinsame fachliche Lösungen auch bei komplexen regulatorischen Anforderungen möglich sind», fasste Leischner zusammen.
Mit der Weiterführung der JIG 2026 wurde zugleich die Organisationsform angepasst: Neu arbeiten nicht mehr Unternehmen als Firmenmitglieder mit, sondern Fachpersonen als Einzelmitglieder. Damit will die Gruppe den unabhängigen fachlichen Austausch stärken und Expertise aus Industrie, Behörden, Prüfpraxis und Beratung gezielter zusammenführen.
JIG als Plattform für Orientierung und gemeinsame Positionen
Nach den organisatorischen Informationen gab Dr. Thomas Gude, unabhängiger Berater für Lebensmittelkontaktmaterialien, einen Überblick über aktuelle und absehbare regulatorische Entwicklungen. Er zeigte auf, wo aus Sicht der Verpackungsbranche Klärungsbedarf besteht und die JIG ihre Rolle als fachliche Plattform wahrnehmen kann: durch praxisorientierte Leitfäden, abgestimmte Positionen gegenüber Behörden und Gesetzgebern sowie den Austausch mit weiteren
Institutionen in der Schweiz und in Europa. Die JIG könne insbesondere dort einen Beitrag leisten, wo Vorgaben noch unklar, Methoden nicht ausreichend definiert oder Anforderungen nur schwer praktikabel umzusetzen seien.
PPWR, PET und Prüfmethoden im Fokus
Im Anschluss erarbeiteten die Teilnehmenden in kleineren Gruppen eine erste Themenpriorisierung. Zu den diskutierten Punkten gehörte Artikel 6 der europäischen Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation). Er regelt die Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Diskutiert wurde insbesondere, welche Handlungsmöglichkeiten Unternehmen bereits vor weiteren Klarstellungen der Europäischen Kommission haben.
Weitere Themen waren die Klassifikation von PET für Lebensmittel- und Non-Food-Anwendungen, die Abgrenzung zwischen besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC, Substances of Very High Concern) und besorgniserregenden Stoffen (SoC, Substances of Concern) sowie die Umsetzung der Verordnung (EU) 2025/351, des sogenannten 19th Amendment zur europäischen Kunststoffverordnung für Lebensmittelkontaktmaterialien. Die Änderungsverordnung präzisiert insbesondere Anforderungen an den hohen Reinheitsgrad eingesetzter Stoffe, die Bewertung unbeabsichtigt eingebrachter Stoffe (NIAS, Non- Intentionally Added Substances) und die Konformitätsdokumentation; sie betrifft auch bestimmte Anforderungen an Kunststoffe aus Recyclingprozessen.
Diskutiert wurden zudem Fragen zu bedruckten Lebensmittelkontaktmaterialien und zu spezifischen Konformitätserklärungen. Weitere Themenfelder betrafen Polystyrol und mögliche Grenzwerte, Prüfverfahren und die Aussagekraftvon Testergebnissen im PPWR-Kontext sowie die Abgrenzung von Einweg- und Mehrwegverpackungen. Gewünscht wurden praxisnahe Hilfestellungen zum Umgang mit Mineralölkohlenwasserstoffen: gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH, Mineral Oil Saturated Hydrocarbons) und aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH, Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons). Diskutiert wurden ferner Best-Practice-Ansätze zu extrahierbaren und migrierbaren Stoffen (Extractables and Leachables, E & L), zur Guten Herstellungspraxis (GMP, Good Manufacturing Practice) sowie zu Risikobewertungen.
Kurzfristige Praxisimpulse und langfristige Aufgaben
Die Gruppe ordnete die gesammelten Themen in kurz- und längerfristige Handlungsfelder ein. Kurzfristig sollen jene Punkte im Vordergrund stehen, bei denen rasch ein sichtbarer Nutzen für die Praxis erzielt werden kann und die schnell zu Erfolgserlebnissen führen. Gleichzeitig soll die SVI-JIG ihre Website als laufenden Informationskanal nutzen und dort regelmässig über Entwicklungen und Arbeitsergebnisse berichten. Die Richtung fasste ein Teilnehmer mit den Worten zusammen: «Wir sind da, um zu bewegen. Dafür müssen wir den Status quo hinterfragen.»
Der weitere Weg
Die SVI-JIG versteht sich als offene Fachplattform und lebt vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Die aktuelle Gruppe vereint bereits Teilnehmende verschiedener Generationen, Geschlechter und beruflicher Rollen – von Industrie und Verbänden über Prüfinstitutionen und öffentliche Stellen bis zu Beratung und Medien. Die Gruppe soll jedoch weiterwachsen. Eingeladen sind Fachpersonen aus Industrie, Handel, Prüfpraxis, Behörden, Beratung und weiteren Organisationen, die regulatorische Fragen im Verpackungsalltag bearbeiten. Wer offene Umsetzungsfragen, Praxisprobleme oder Vorschläge für Leitfäden und gemeinsame Positionen einbringen möchte, kann die Themenagenda der JIG aktiv mitgestalten. Interessierte können sich direkt beim Schweizerischen Verpackungsinstitut SVI melden.
Das nächste Treffen der SVI-JIG findet am 25. November 2026 in Olten statt. Im Mittelpunkt stehen eine vertiefte gemeinsame Einordnung der europäischen Verpackungsverordnung PPWR sowie der Guten Herstellungspraxis (GMP, Good Manufacturing Practice). Mehrere Teilnehmende werden die Themen vorbereiten, um eine gemeinsame Wissensbasis zu schaffen und mögliche Handlungsfelder der Gruppe aufzuzeigen. Darauf aufbauend will die JIG die zuvor priorisierten Themen weiter konkretisieren, Zuständigkeiten und nächste Arbeitsschritte festlegen sowie erste Ziele für die gemeinsame Arbeit definieren.