(Grafik: Swissmem)

Swissmem: Das Erreichen der Talsohle zeichnet sich ab

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Die Geschäftslage in der Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen) ist weiterhin schwierig.

In der Schweizer Tech-Industrie sanken die Umsätze im ersten Quartal 2024 im Vergleich zur Vorjahresperiode um -5,4 Prozent. Dabei fielen die Rückgänge bei den KMU weniger ausgeprägt aus als bei den Grossunternehmen. Die Kapazitätsauslastung in den Betrieben lag in der Berichtsperiode erstmals seit dem dritten Quartal 2021 unter den langjährigen Mittelwert von 86,2 Prozent und erreichte noch 85,5 Prozent. Ebenfalls rückläufig waren im ersten Quartal 2024 die Auftragseingänge. Sie reduzierten sich gegenüber dem Vorjahresquartal um -2,3 Prozent. Da die Auftragslage in der Vorjahresperiode sehr gut war, verdeckt dieser erneute Bestellungsrückgang die Tatsache, dass sich die Auftragseingänge aus dem Ausland mittlerweile stabilisiert und aus dem Inland sogar erholt haben. Das sind positive Zeichen.

Rückläufige Exporte in fast alle Märkte

Die derzeitige Lage ist aber weiterhin schwierig: Die Güterausfuhren der Schweizer Tech-Industrie reduzierten sich im ersten Quartal 2024 gegenüber dem Vorjahresquartal um -8,5 Prozent und erreichten einen Wert von 16,9 Milliarden Franken. Die Exporte in alle grossen Märkte waren rückläufig. Konkret sanken sie in die EU um -11,6 Prozent, in die USA um -2,6 Prozent und nach Asien um -0,9 Prozent. Insbesondere der grosse Rückgang der Ausfuhren nach Deutschland (-12%), dem grössten Einzelmarkt der Tech-Industrie, ist besorgniserregend. Einzig China und Indien bilden mit einem Exportwachstum von +7,1 respektive +8,1 Prozent einen Lichtblick. Alle wichtigen Warengruppen weisen sinkende Exporte auf. So reduzierten sich die Ausfuhren bei den Metallen um -9,3 Prozent, im Maschinenbau um -8,4 Prozent, bei den Präzisionsinstrumenten um -7,6 Prozent und im Bereich Elektrotechnik/Elektronik um -2,2 Prozent.   

Durststrecke hält noch an

Die Rückgänge beim Umsatz und Export überraschen nicht. Sie sind die Folge des massiv sinkenden Auftragseinganges im zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres. Dass die Geschäftslage weiterhin herausfordernd bleiben wird, zeigt sich am Einkaufsmanagerindex (PMI). Dessen Werte verharren in den wichtigen Märkten USA und Europa unter der Wachstumsschwelle. Entsprechend verhalten sind die Erwartungen der Swissmem Mitgliedfirmen: Lediglich 28 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Aufträgen aus dem Ausland. Der Anteil jener, die von sinkenden Aufträgen ausgehen, hat sich hingegen von 37 auf 28 Prozent reduziert. Die restlichen 46 Prozent der Firmen erwarten ein gleichbleibendes Auftragsniveau. Swissmem Direktor Stefan Brupbacher ordnet ein: «Die Durststrecke beim Umsatz und bei den Exporten hält derzeit noch an. Der positive Trend beim Auftragseingang bestätigt jedoch unsere Hoffnung, dass die Talsohle des Abschwunges bald erreicht ist. Die Leitzinssenkung der Schweizerischen Nationalbank, welche den Schweizer Franken gegenüber dem Euro und dem Dollar zumindest temporär geschwächt hat, hat diese Entwicklung unterstützt.»

Schädlicher Handelskrieg

Es bestehen allerdings zahlreiche Risiken. Generell dämpfen die geopolitischen Unsicherheiten nach wie vor die Investitionsnachfrage. Insbesondere die jüngste Eskalation des Handelskrieges zwischen den USA und China hat ein erhebliches Schadenpotenzial. Die massive Erhöhung der Zollschranken durch die USA beeinträchtigt direkt die Schweizer Stahlexporte. Sie bewirkt zudem, dass sich die Abschaffung der EU-Stahlschutzmassnahmen auf unbestimmte Zeit herauszögern wird. Martin Hirzel, Präsident Swissmem, äussert sich dazu besorgt: «Die indirekten Folgen sind weitreichend, denn diese Handelshemmnisse bremsen weltweit die Dynamik der Weltwirtschaft. Das wird die Schweizer Tech-Industrie mit ihrem Exportanteil von nahezu 80 Prozent schmerzhaft spüren. Internationale Handelskriege kann die Schweiz nicht stoppen, aber sie kann die Rahmenbedingungen im Inland verbessern. Dazu gehören weitere Freihandelsabkommen und ein Verzicht auf regulatorischen Unsinn wie eine Investitionsschutzbehörde.»