Der Swiss Packaging Award gehört zu den traditionsreichsten Auszeichnungen der Schweizer Verpackungsbranche und wird seit 56 Jahren vom Schweizerischen Verpackungsinstitut SVI verliehen. Ziel ist es, die Innovationskraft der Branche sichtbar zu machen von Technik und Konstruktion über Nachhaltigkeit bis hin zu Marketing- und Designleistungen.
Verantwortung beim SVI
Das SVI verantwortet Reglement, Kategorien, Teilnahmebedingungen, Gebühren, Zeitplan sowie die Einbettung des Awards in Veranstaltungen wie die Empack.Es steht im Austausch mit Branche und Jury und überprüft auf dieser Basis periodisch Bewertungsgrundlagen und Aktualität der Kriterien; zuletzt geschah dies im vierten Quartal 2025.
Für die Ausgabe 2026 nimmt das SVI gezielte Anpassungen am Reglement vor. Insbesondere wurde die Nachhaltigkeitskategorie durch Anhänge präzisiert, etwa im Hinblick auf Entwicklungen wie die EU-Verpackungsverordnung (PPWR). So soll sichergestellt werden, dass Innovationen von heute nicht mit den Massstäben von gestern gemessen werden.
Reglement und Kriterien im Wandel
Die Kategorie Nachhaltigkeit zeigt exemplarisch, wie sich Massstäbe verschieben: Was vor wenigen Jahren – etwa der Umstieg auf Monomaterial preiswürdig war, ist heute vielfach Standard. Erwartet werden Lösungen, die Materialeinsatz, Rezyklierbarkeit, Kreislauffähigkeit und Funktionalität intelligent zusammenbringen.
Die Bewertungsleitlinien nennen klardefinierte Aspekte wie Materialeffizienz, Rezyklierbarkeit, Funktionalität, Convenience, konstruktive Lösungen, Marktund Designleistungen sowie maschinentechnische Gesichtspunkte. Ergänzende Dokumente sollen Orientierung geben, ohne Einreichende mit Detailtiefe zu überfordern sie sind Navigationshilfe, nicht Hürde.
Einreichung: Was heute zählt
Unternehmen haben heute deutlich mehr Möglichkeiten, ihre Innovation verständlich zu präsentieren als früher. Das SVI hat Beschränkungen abgebaut, um Einreichenden Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie ihre Chancen auf einen Award erhöhen können. Neben den Basisangaben sind heute unter anderem möglich:
- Videos zur Funktionsweise, zum Handling oder zum Maschinenprozess
- aussagekräftige Vorher/Nachher- Beispiele
- ergänzende technische Unterlagen und Kennzahlen
Ein besonderer Mehrwert entsteht, wenn die bisherige und die neue Lösung gemeinsam eingereicht und klar gekennzeichnet werden. Die Jury erkennt so auf einen Blick, welche Verbesserung technisch, ökologisch, wirtschaftlich oder kommunikativ gelungen ist.
Die Verantwortung für eine vollständige, fachlich nachvollziehbare Beschreibung liegt jedoch weiterhin bei den Einreichenden. Wo trotz sorgfältig aufgebautem Dossier wesentliche Fragen offenbleiben, kann die Jury ergänzende Abklärungen vornehmen die Basis bildet aber immer das eingereichte Material.
Jurystruktur: Divers, unabhängig, mehrstufig
Die Jury besteht aus mindestens zwölf Fachpersonen aus Industrie, Hochschulen, Verbänden, Handel, Logistik, Design, Technik, Produktion, Medien und Patronatspartnern. In den letzten zehn Jahren hat sie sich von einer eher homogenen Runde hin zu einer alters- und gendergemischten, fachlich breit abgestützten Gruppe entwickelt, in der lebhafte und zugleich fundierte Diskussionen die Regel sind.
Klare Spielregeln sichern Unabhängigkeit: Jurymitglieder stimmen bei Einreichungen ihrer eigenen Firma nicht mit; Entscheidungen fallen im Mehrheitsprinzip; die Diskussionen folgen definierten Kriterien und bleiben vertraulich. Jede Einreichung durchläuft mindestens zwei Runden zunächst eine Vorauswahl, danach eine fokussierte Diskussion der Nominierten, bei Bedarf auf zwei Tage verteilt und in Ausnahmefällen ergänzt durch Recherchen etwa zu Patenten oder Marktauftritt.
Umgang mit Subjektivität
In subjektiv wirkenden Kategorien wie Design oder Marketing geht es nicht um persönliche Geschmacksurteile, sondern um die Leistung hinter der Gestaltung: Funktion, Verständlichkeit, Zielgruppenansprache, Differenzierung am POS sowie Konsistenz mit Produkt und Marke.
Der Diskussionsprozess ist so angelegt, dass keine einzelne, dominante Stimme den Ausschlag geben kann. Kategorieexpertinnen und -experten liefern verständliche Einordnungen; kritische Nachfragen sind ausdrücklich erwünscht. Die Jurypräsidentin sorgt dafür, dass die Diskussion immer wieder auf Kriterien und Fakten zurückgeführt wird. «Der Award ist kein Beliebtheitswettbewerb und keine Lotterie», sagt Andreas Zopfi. «Die Jury entscheidet weder nach Bauchgefühl noch nach Namen. Sie beurteilt die Innovationsleistung und nur diese.»
Nationaler und internationaler Mehrwert
Für Unternehmen bietet der Swiss Packaging Award deutlich mehr als eine Trophäe. Er schafft Sichtbarkeit in Fachund Tagesmedien, dient als Referenz im Markt und motiviert Entwicklungsteams, mutige Lösungen voranzutreiben. Zudem qualifizieren sich die Sieger automatisch für den internationalen Worldstar Award, bei dem Schweizer Projekte regelmässig ausgezeichnet werden.
Noch zu wenig genutzt werden Kategorien wie der Nachwuchspreis mit kostenloser Teilnahme für Studierende und Lernende. Gerade hier sehen SVI und Jury grosses Potenzial, jungen Talenten eine Bühne zu geben und den frischen Wind sichtbar zu machen, den die Branche dringend braucht.
Vier Fragen an die neue Jurypräsidentin
Ulrike Brämswig ist ab 2026 neue Jurypräsidentin des Swiss Packaging Award. Sie folgt auf Stefan Jüde, der das Amt zwölf Jahre lang innehatte. Brämswig war zuvor fast zehn Jahre Jurymitglied und ist Dozentin an der Berner Fachhochschule.
Frau Brämswig, wie hat sich Ihre Perspektive auf den Award über die Jahre verändert und was bedeutet Ihr neues Amt für Sie?
Als ich in die Jury gekommen bin, war die Runde fachlich kompetent, aber in vieler Hinsicht ziemlich homogen. Heute sitzen mehrere Generationen, Frauen und Männer aus Industrie, Verbänden und Hochschulen gemeinsam am Tisch das macht die Diskussionen manchmal anstrengender, aber vor allem reicher. Für mich ist die Präsidentschaft kein Machtamt, sondern eine spannende Moderationsaufgabe: Der Rahmen kommt vom SVI, meine Aufgabe ist es, innerhalb dieses Rahmens eine sachliche, nachvollziehbare Diskussion zu ermöglichen. Entscheidungskompetenz habe ich keine.
Sie gelten als jemand, der kritisch nachfragt und Entscheidungen nicht einfach «aus dem Bauch heraus» trifft. Welche Prinzipien sind Ihnen wichtig?
Intuition und spontane Präferenzen hat jeder Mensch das ist gut. Aber für einen Award reicht es nicht, zu sagen: «Das gefällt mir halt.» Mir ist wichtig, dass sich die Jury an den fachlichen Kriterien orientiert und sich ehrlich fragt: Welche besondere Leistung steckt hinter dieser Einreichung, und worin unterscheidet sie sich von der bisherigen Lösung oder von anderen Projekten? Meine Hochschulerfahrung hilft dabei, Diskussionen zu strukturieren, Perspektiven zu wechseln, Widersprüche aufzuzeigen und nachzuhaken, wenn Argumente zu vage bleiben.
In jeder Jury gibt es starke Persönlichkeiten und unterschiedliche Geschmäcker. Wie verhindern Sie, dass Einzelne zu sehr dominieren?
Dass Menschen unterschiedlich auf ein Exponat reagieren, ist völlig normal, sonst bräuchte es keine Jury. Problematisch wird es erst, wenn eine sehr starke Meinung die Diskussion unbewusst prägt. Als Jurypräsidentin achte ich darauf, dass verschiedene Perspektiven zu Wort kommen, fordere Begründungen ein und lenke das Gespräch zurück auf die Kriterien, wenn es zu persönlich wird. Es geht nicht darum, Geschmäcker zu normieren, sondern sie mit fachlicher Substanz zu unterlegen.
Mit Blick nach vorne: Was möchten Sie als Jurypräsidentin besonders fördern?
Mein Grundsatz ist simpel: Wer einreicht, hat sich Mühe gegeben und verdient eine faire, sorgfältige Auseinandersetzung. Ich möchte eine Kultur fördern, in der wir zuerst nach dem Potenzial einer Lösung suchen und dann kritisch prüfen, ob dieses Potenzial tatsächlich eingelöst wird. Dabei helfen die Kategorieexpertinnen und -experten: Sie sollen komplexe Themen für alle greifbar machen; wo danach noch Lücken bleiben, wird nachgefragt oder recherchiert. Die Weiterentwicklung von Kategorien und Kriterien liegt beim SVI; innerhalb dieses Rahmens will ich dafür sorgen, dass die Juryarbeit transparent strukturiert, neutral moderiert und fachlich gut begründet ist.