Eine Welt ohne Verpackungen ist undenkbar. Nicht nur in den kritischen Bereichen wie Lebensmittel und Pharma trägt die Verpackungsindustrie dazu bei, dass feste, flüssige, pastöse oder auch pulvrige Stoffe und Produkte sicher an ihren Bestimmungsort kommen und die erforderliche Haltbarkeit gegeben ist. Aufgrund der weiterhin steigenden Weltbevölkerung, dem insgesamt wachsenden Wohlstand und dem sich stetig verbessernden Gesundheitsniveau hat die Branche allen Grund dazu, optimistisch in die Zukunft zu schauen.
Die Unternehmen der Verpackungsindustrie sind diejenigen, die aktiv an nachhaltigeren Verpackungslösungen arbeiten. Die Reduktion von Verpackungsmaterialien, Cradle to Cradle und ein deutlich höheres Mass an Recyclingfähigkeiten beschäftigen die Branche seit Jahren. Dabei kommt dem Verpackungsmaschinenbau eine Schlüsselrolle zu. Jedes nachhaltige Verpackungsmaterial und jede nachhaltige Verpackung muss in der erforderlichen Qualität und Quantität von der Verpackungsmaschine zu verarbeiten sein.
In seiner mehr als 150-jährigen Geschichte hat der Verpackungsmaschinenbau bewiesen, dass es für die unterschiedlichsten und noch so komplizierten Verpackungen auch eine Lösung gibt. Wenn es um den Weg hin zu nachhaltigeren Verpackungen geht, arbeiten die Maschinenbauer eng mit Kunden, Forschungsinstituten und Universitäten zusammen. Die Verpackungsmaschine selbst leistet einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit durch höhere Energieeffizienz, Langlebigkeit der Maschine und Komponenten, Aufrüstbarkeit und Recyclingfähigkeit.
Bei alledem spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle. Sowohl beim Engineering als auch im Betrieb eröffnen softwaregetriebene Lösungen grosse Potenziale für eine Optimierung. Beim Engineering ergeben sich so Materialeinsparungen bei der Maschine selbst, im Betrieb kann die Maschine in einem energetisch idealen Bereich gefahren werden, die Bearbeitung der Verpackungen lässt sich in Bezug auf die optimale Materialausnutzung perfektionieren und mittels Ferndiagnose und Predictive Maintenance können Reisekosten eingespart und unnötiger Komponententausch vermieden werden.
Gerade die Themen der Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind es, die im Zentrum dessen stehen, womit sich das Cluster Packaging Valley Germany e. V. beschäftigt. Es wurde im Jahr 2007 aus der Taufe gehoben und vereint inzwischen 125 Unternehmen unter seinem Dach. Das zunächst regional orientierte Netzwerk ist inzwischen deutschlandweit aktiv und ist mit einigen europäischen Clustern der Verpackungsindustrie partnerschaftlich verbunden. Mitglieder des Vereins sind Unternehmen aus den verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette rund um den Verpackungsmaschinenbau: Verpackungsmaschinen, Automatisierung, Software, Komponenten und Dienstleistungen sowie Hochschulen und Partnercluster.
Dass der Branche in der aktuellen Situation der Wind entgegenweht, lässt die Überzeugung in den Unternehmen wachsen, dass eine vetiefte Zusammenarbeit innerhalb der Branche ein wichtiger Faktor ist, um sich auch zukünftig erfolgreich am Markt behaupten zu können. Verpackungsmaschinenbauer sehen sich einem wachsenden Wettbewerb aus Asien ausgesetzt, müssen mit höheren Zöllen in einem der wichtigsten Märkte umgehen können, sind gleichzeitig damit beschäftigt, die europäischen Regularien in die Praxis umzusetzen und stehen vor der Herausforderung, dass der Nachwuchs im ingenieur- und naturwissenschaftlichen Bereich dünn gesät ist.
Bei all diesen Themen bietet ein Netzwerk wie das Packaging Valley die Möglichkeit zu Information, Austausch, gemeinsamen Projekten und einer vertieften Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen. Mitglieder haben ihr Ohr ganz nah am Puls der Branche und können so ihre Strategien optimieren und passende Kooperationspartner finden. Auf der Messe Interpack, die vom 7. bis zum 13. Mai 2026 in Düsseldorf stattfinden wird, präsentiert sich das Packaging Valley mit einem 830 m2 grossen Gemeinschaftsstand, auf dem sich 16 Mitgliedsunternehmen mit ihren Maschinen und Lösungen präsentieren. In Düsseldorf wird die Branche der Verpackungsindustrie erneut unter Beweis stellen, dass sie eine Branche mit Zukunft ist und dass sie Lösungen für die aktuellen Herausforderungen zu bieten hat.
Packaging Valley im Überblick
Gründung: 2007, 2020 Verschmelzung mit dem ebenfalls 2007 gegründeten Cluster PEC
Rechtsform: Wirtschaftlicher Verein
Mitglieder: 125 aus Verpackungsmaschinenbau, Automatisierung, Dienstleistung und Software
Standort: Sitz in Waiblingen, Geschäftsstellen in Waiblingen und Schwäbisch Hall
Leitung: Geschäftsführer Martin Buchwitz und Dr. Marc Funk
Formate: Mitgliederversammlungen, Netzwerktreffen, Seminare, Workshops, C-Level-Meeting, Konferenzen, Online-Impulse, Fokustreffen, Makeathon, Messeauftritte, Podcast «Verpackt und zugeklebt»
Ziel: Sprachrohr und Vernetzungsplattform der Verpackungsmaschinenbranche
Interview mit Martin Buchwitz
Wer sind die Mitglieder von Packaging Valley Germany e.V. (z. B. Branchen, Unternehmensgrössen), und welchen zentralen Mehrwert bietet das Netzwerk ihnen im Alltag?
Martin Buchwitz: Im Zentrum des Packaging Valley befinden sich die Unternehmen aus dem Verpackungsmaschinenbau. Dabei ist es unerheblich, aus welchen Branchen die Materialien stammen, ob es sich um feste oder flüssige Materialien handelt oder ob es sich um Primär-, Sekundär- oder Tertiärverpackungen handelt. Darüber hinaus sind weitere Mitgliedsunternehmen aus verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette des Verpackungsmaschinenbaus vertreten, darunter Anbieter von Komponenten und Lösungen, wobei ein signifikanter Anteil dem Bereich der Automatisierungstechnik zuzuordnen ist. Bei den Unternehmensstrukturen der Mitglieder geht es vom Start-up über den klassischen Mittelstand bis hin zu internationalen Konzernen.
Seit wann gibt es Packaging Valley Germany, wo steht das Netzwerk heute (z. B. Mitgliederzahl, internationale Bekanntheit), und welche Themen prägen derzeit die Arbeit?
Das Packaging Valley entstand 2007 in der Region Hohenlohe. 2020 fusionierte es mit dem Cluster PEC aus Waiblingen. Heute gehören 125 meist süddeutsche Firmen dazu; seit 2024 steht eine Mitgliedschaft bundesweit offen. Es bestehen Kooperationen mit verschiedenen Netzwerken in Deutschland und Europa, darunter besonders eng mit dem spanischen Packaging Cluster. International bringen vor allem die Mitglieder den Namen nach aussen.
Wie trägt Packaging Valley als deutscher Verband zur Standortförderung bei, insbesondere durch Austausch von Fachkräften und Kooperationen mit schweizerischen Verpackungsfirmen?
Der steigende Wettbewerb aus Asien im Verpackungsmaschinenbau fördert das Bewusstsein deutscher Unternehmen für Kooperation. Das Packaging Valley unterstützt die Branche mit vielfältigen Angeboten und legt besonderen Wert auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen zur Fachkräftesicherung. Aktuell gibt es keine Kooperationen mit Schweizer Unternehmen, doch wir sind offen für neue Partnerschaften.
Welche strategischen Ziele verfolgt Packaging Valley Germany e. V. in den nächsten Jahren, um die Technologieführerschaft weiter auszubauen, z. B. bei Digitalisierung oder Nachhaltigkeit?
Die Unternehmen der Branche können ihre Wettbewerbs- und Technologieführerschaft nur dann erhalten oder sogar ausbauen, wenn eine vertiefte Zusammenarbeit der Unternehmen aus der Wertschöpfungskette zum gegenseitigen Nutzen stattfindet. Es gibt zahlreiche Themen, bei denen es nicht notwendig ist, dass jeder für sich von Grund auf neue und eigene Lösungen entwickelt. In diesem Bereich gibt es noch sehr viele nicht ausgeschöpfte Potenziale, die wir gemeinsam heben wollen. Neben einer verstärkten Zusammenarbeit legen wir grossen Wert auf die Förderung einer gelebten Innovationskultur in den Unternehmen. Neben den Themen der Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind auch Strategie- und Innovationsthemen von grosser Bedeutung, z. B. regional marktspezifische Lösungen und neue Geschäftsmodelle.
Welches ist Ihr persönlichstes Highlight aus der Arbeit mit den Mitgliedern, etwa bei Events wie dem Packaging Valley Makeathon oder den Messeauftritten?
Wenn bei einem Makeathon ein Patent entsteht und wenn unsere Mitgliedsunternehmen durch den Makeathon Studenten als Fachkräfte gewinnen, dann macht uns das stolz. Wenn ich auf der Messe Fachpack über unseren beeindruckenden 1400 m2 grossen Gemeinschaftsstand laufe und Gespräche mit den ausstellenden Mitgliedern führe, dann wird die geballte Schlagkraft unseres Clusters sichtbar. Eine grosse Freude ist es auch immer, wenn wir feststellen, dass das Packaging Valley die Plattform für eine erfolgreiche Kooperation von Mitgliedsunternehmen ist.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie eine Kooperation im Netzwerk idealerweise mit schweizerischen Partnern einem Mitglied geholfen hat, neue Märkte oder Fachkräfte zu gewinnen?
Ein aktuelles Beispiel aus der Technik ist die Kooperation eines grossen Verpackungsmaschinenbauers mit einem IoT-Start-up – beide Mitglied im Packaging Valley. Der Maschinenbauer hatte sich auf den Weg gemacht, seine eigene IoTLösung zu entwickeln, hat aber auf dem Weg dahin festgestellt, dass es im Packaging Valley ein Start-up gibt, das eine bessere und passendere Lösung zu bieten hat. Was die Märkte anbelangt: Erst jüngst hat sich durch einen Austausch auf dem Packaging-Valley-Gemeinschaftsstand der Fachpack eine Kooperation ergeben, wo zwei Unternehmen ein Angebot mit einer gemeinsamen Lösung abgeben konnten, was für jeden Einzelnen für sich nicht möglich gewesen wäre. Im Bereich der Fachkräftegewinnung gibt es lediglich einen Austausch der Personalverantwortlichen.
Zur Person
Martin Buchwitz, Dipl. Ing. (FH) Elektronik, studierte an der Hochschule Heilbronn. Nach Stationen in Applikation, Vertrieb und Marketing bei einem Automatisierungsanbieter sowie als Chefredakteur verschiedener Fachzeitschriften ist er seit Oktober 2019 Geschäftsführer des Packaging Valley Germany e. V.
Weitere Informationen unter www.packaging-valley.com/en/